Was ist eigentlich mit Israel? In der Regel haben junge Leute keine wirkliche Ahnung davon was da in Nahost so vor sich geht, es ist eben gefährlich dort. Nein, so nicht! Tatsächlich wird in Israel zur Zeit Geschichte geschrieben und eine recht spannende dazu. Man liest in den Zeitungen oder von anderen Blogleuten hier (*gg*) Seite um Seite immer irgendwelche Namen/Orte/Gremien die etwas machen/wollen/tun. Klasse! Da versteht man genauso viel wie im chinesischen Telefonbuch – zwar auch ein spannendes Thema, China, aber das packen wir ein anderes Mal an.
Doch was stimmt mit Israel nicht? Wenn jemand nach Russland oder Amerika reist ist das anscheinend lange nicht so schlimm wie eine Israel-Reise. Jetzt muss ich mich selbst fragen wo ich überhaupt anfange – mit dem Holocaust oder eher beim Alten Testament? Nun, der Holocaust war ein Verbrechen von Nazi-Deutschland. Die Nationalsozialisten vertrieben oder töteten Menschen mit jüdischem Glauben ohne irgendeinen Grund dafür zu haben – 6 Millionen von ihnen um genau zu sein. Die Teilung Palästinas per UN-Beschluss und die Proklamation der Unabhängigkeit Israels 1948 sind also eine Art Antwort auf dieses deutsche Verbrechen. Wieso ist das nun aber heute noch schlimm, es gibt keine Nazis mehr!?
Klar können wir, die „Enkel“ dieser Verbrecher, jegliche Schuld und Verantwortung von uns weisen. Wirklich? Die Enkel der vertriebenen Juden nämlich tun sich damit nicht ganz so leicht; ihr Selbstbewusstsein gegenüber Deutschen ist immer noch stark geknickt. In einer ZDF-Umfrage sieht jedoch nur noch jeder dritte Deutsche in seinen Dreißigern eine besondere Verantwortung Deutschlands gegenüber Israel. Und auch wenn Angela Merkel in Israel ist, schwingt sie ja große aber nicht wirklich ernstgemeinte Reden von Verantwortung, Tradition und Schutz. Doch ich finde wir sind Israel nichts außer einer fairen und gleichen Behandlung schuldig, wieso auch...? Ich trage doch keine besondere Verantwortung gegenüber diesem Staat. Nun aber noch die Frage weshalb Israel gefährlich ist: Die Israelis streiten mit ihren Nachbarn (also dem Land Syrien) um dasselbe Stück Land. Deshalb beschießt Syrien Israel und umgekehrt. Wieso teilen sie das Land denn dann nicht?
Soweit die Geschichte, nun eine durchaus von mir gewollte Kehrtwende.
Israel ist 60. Es ist ein echter Vielvölkerstaat geworden. Europa verhält sich gegenüber Israel aber immer nur halbherzig, widersprüchlich und unschlüssig. Dazu auch wieder ein kleiner Geschichts-Exkurs: 1999 unterzeichneten die damamligen EU-Staaten die „Berliner Erklärung“. In diesem Wisch sprach man sich mehrheitlich und gelangweilt für einen „demokratischen palästinensischen Staat“ aus. Mhh klingt spannend! Im Juni diesen Jahres ist in Berlin die sog. „Friedenskonferenz“. Und Europa wird wohl wieder zu einem einschläfernden Ergebnis kommen: Wir wollen Friede in beiden Staaten, das Existenzrecht ist anzuerkennen... Viele schöne und vorallem folgenlose Worte.
Jetzt werden mir einige gleich den Kopf abreißen wie ich nur so über Brüssel sprechen kann. Doch was will ich nun eigentlich? Ja gut ich komm’ zum Punkt: Sollte die Europäische Union dem Land Israel nicht eine Integration anbieten? Eine mit allen Rechten und Pflichten? Und zwar bald?
Ich finde schon. Und ich meine definitiv keine „intensiven Nachbarschaften“: Israel als Teil der EU? Wie in Griechenland oder Portugal würde man so zum Frieden und zur Stabilität beitragen können. In seinen 60 Jahren hat sich Israel mehr als gewandelt. Zwar sind viele heute wie damals europäischer Abstammung und viele auch nach wie vor jüdischen Glaubens, doch DAS eine Israel gibt es nicht. Es ist ein Land vieler ganz individueller Menschen und Europa wäre mit seinem multiethnischen und auch mehr oder minder multireligiösen Charakter doch ein idealer Partner für Israel. Angela Merkels Reden in Israel kennen wir, ähnlich wie zuhause auch hier zwei geballte Fäuste und auch wie zuhause vermutet man irgendwelchen Inhalt bzw. Gehalt hinter ihren Worthülsen. Warum also wurde die „historische Verantwortung“ und die „Garntieerklärung“ nicht in Brüssel besprochen?
Naja gegenüber Israel verhält sich Europa, wie eben schoneinmal gesagt, eher zurückhaltend nach dem Motto „Kein Anschluss unter dieser Nummer“ (wenn aber Teheran ankommt hat die „Hot“-line geöffnet) und tritt lieber in Form seiner einzelnen Mitgliedsstaaten auf. Angie für Deutschland. Sarkozy für Frankreich. Und sicherlich lässt auch Berlusconi bald ein paar starke Beschützerworte folgen. Jeder kocht also sein eigenes Süppchen.
Die Idee ist in Israel nicht neu und die israelische Außeministerin Liwni spricht Tacheles gegenüber der Zeit: Es gebe einen „Clash der Ideologien“, denn Israel sehe sich als Teil des Westens. Israel und Europa „teilen doch dieselben Werte, obwohl Europa das nicht immer so sieht.“ Tja, ein Brett für Europa und ein Punkt für die Israelis.
Doch keiner möchte, dass sich Europa einfach nur zum Rumballern daneben stellt, allen voran wir selbst wollen das nicht. Fair wie ich als deutscher Staat nun aber gegenüber Israel bin kann ich zumindest mal verlangen, dass man sich Europa stärker zuwendet, nicht nur als Handelspartner sondern als politischer Partner. Und bitte nicht mit „judäochristlichen Fundamenten“ anfangen sondern eher bei den Stärken der EU: viele Indentitäten, viele Religionen, viele Staaten... Eben das was uns ausmacht und das was Israel will. Neben der irgendwann erreichten Sicherheit könnte Israel so vorallem Hoffnung gewinnen.
Wirklich ernst nehmen können die Israelis Europa aber noch nicht: Eine Eingliederung in die EU würde mehr risikobereitschaft seitens der EU erfordern, doch allein der Marineeinsatz im Libanon zeigt, in welche Richtung der Weg geht.
Doch auch die Kritik Israels Deutschland oder Europa seien „pazifistisch“ ist Unsinn. Hauptaugenmerk der Israels liegt wohl doch eher auf den Perspektiven und der Hoffnung, die eine EU-Mitgliedschaft mit sich bringen würde.
Doch kurz zu den USA: Kluge und liberale Amis hoffen sogar darauf, das Europa seine Rolle in Nahost neu überdenkt, klar es bringt Sicherheit. Denn die Befürchtung vieler EU-Minister man würde sich mit klar definierten Bekenntnissen für Israel von den USA absetzen ist falsch. Europa ist selbstbewusst genug diesen Schritt wagen zu können.
Sich die Chance entgehen zu lassen wäre unklug, Europa kann sehrwohl für sich sprechen und sich auch gegenüber den USA behaupten. Israel und die EU jedenfalls passen prima zusammen.